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Ausbildungsmesse 2010 in Doberlug-Kirchhain (10.10.2010)

Mehr als 3000 Besucher sind am Wochenende zur Ausbildungsmesse in die Stadthalle nach Doberlug-Kirchhain gekommen. Dort informierten 61 Aussteller über den aktuellen Stand auf dem Arbeitsmarkt.

 

Derzeit kommen in Brandenburg auf 100 Bewerber etwa 80 Ausbildungsplätze. »Das war 1995 noch ganz anders. Damals mussten sich 100 Bewerber 35 Lehrstellen teilen«, sagte Heinz-Wilhelm Müller, Geschäftsführer der Cottbuser Agentur für Arbeit, zur Eröffnung der Ausbildungsmesse. Müller weiter: »Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz waren noch nie so gut.«

Plätze freigeblieben

Trotz des nahezu ausgeglichenen Verhältnisses zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitgebern beklagten viele der 61 Aussteller einen zunehmenden Fachkräftemangel. »Mehr als die Hälfte der anwesenden Firmen haben angegeben, Plätze nicht besetzen zu können«, sagte der Organisator der Veranstaltung, Jens Zwanzig von der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Ein Trend, den auch Sven Wittenbecher von Wacker Chemie bestätigen kann. »Die Anzahl der Bewerbungen ist rückläufig«, so Wittenbecher. Derzeit werden bei dem Chemiekonzern in der Niederlassung im sächsischen Nünchritz 88 Azubis ausgebildet. Dabei reicht die Palette der Ausbildungsberufe vom Chemikanten bis zum Industrie-Mechaniker. »Wer bei uns eine Ausbildung beginnen möchte, muss den Eignungstest bestehen«, so Wittenbecher. Abgefragt werden zum Beispiel Grundkenntnisse in Chemie, Physik und Mathe. »Leider müssen wir feststellen, dass nicht nur die Anzahl der Bewerber rückläufig ist, sondern auch die Qualität der Bewerbungen«, erklärte der Personalbetreuer. Wer gute bis solide schulische Leistungen vorzeigen kann, könne sich fast sicher sein, eine Lehrstelle zu ergattern.

Gute Zeugnisse sind A und O

»Setzt euch auf den Hosenboden und liefert bei der Bewerbung ein gutes Zeugnis ab«, gab Müller von der Bundesagentur für Arbeit den 3000 Besuchern mit auf den Weg und forderte von den Firmen, sich die Bewerber genau zu betrachten. »Noten sind nicht alles, die Persönlichkeit ist auch entscheidend«, sagte er.

Im Rahmen der Messe wurde auch die Ausbildungsfibel 2011 vorgestellt. Darin werden 1553 Ausbildungsangebote aufgelistet, die aus 293 Unternehmen zusammengetragen wurden. Darunter befinden sich 174 Firmen aus dem Landkreis Elbe-Elster.

Bei der Suche nach Nachwuchs geht auch die Hochschule Lausitz (FH) ungewöhnliche Wege. Um möglichst viele junge Menschen zu erreichen, tourt die Hochschule mit einem Bus durch Brandenburg und besucht Schulen und Oberstufenzentren. Das Ganze nennt sich dann »Science on Tour« (engl. für Wissenschaft auf Reisen).

»Wir wollen sehr zeitig mit potenziellen Studenten in Kontakt treten«, erklärte Kathrin Erdmann vom Studierenden-Marketing der Hochschule. »Die Kinder sollen frühzeitig herausfinden, wofür sie geeignet sind«, sagte sie weiter. Ein Angebot des Wissenschaftsbusses sind zum Beispiel kleine Lego-Roboter, die die Kids programmieren können. »Merke ich bei so einer spielerischen Übungsstunde, dass die Arbeit mit Computern keinen Spaß macht, werde ich später wahrscheinlich nicht Informatik studieren«, so Erdmann.

Momentan studieren ungefähr 3800 junge Menschen an der Hochschule Lausitz. Erdmann: »Momentan können wir den Bedarf der Industrie nicht befriedigen«. Besonders groß sei die Nachfrage in den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und Chemie. Wer sich hier einschreibe, könne nahezu sicher sein, später auch eine Anstellung zu finden, versicherte Erdmann.

Jeden Azubi übernommen

Auch die Fränkischen Rohrwerke in Schwarzheide suchen junges Fachpersonal. Das seien derzeit unter anderem Mechatroniker und Industriekaufleute. »Wir haben bisher jeden unserer Azubis übernommen«, sagte Petra Adolph. Voraussetzung: gute Noten und Fremdsprachenkenntnisse. Adolph bestätigte, dass Anzahl und die Qualität der Bewerbungen rückläufig seien.

Unterdessen kündigten die Veranstalter an, dass die Ausbildungsmesse kommendes Jahr in Bad Liebenwerda stattfinden wird. »Wir werden zum ersten Mal in ein mittelständisches Unternehmen gehen«, sagte Zwanzig. »Mit der diesjährigen Ausgabe der Messe sei er zufrieden: »Der Besucherandrang war noch nie so groß. Die Nachfrage allerdings auch nicht.«
Von Alexander Dinger, erschienen in der Lausitzer Rundschau am 11.10.2010


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